Blog der Vor-und Frühgeschichtlichen Archäologie an der Uni Hamburg

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Workshop “Structured Depositions in the LBK”

13. Juni 2016 vfgarch Keine Kommentare

Am 27. und 28.5. fand im Archäologischen Institut der Uni Hamburg der Workshop “Ritual und Kult: Strukturierte Deponierung in der Linearbandkeramik” statt. Unterstützt mit Mitteln der Fritz-Thyssen Stiftung, organisierten und leiteten Daniela Hofmann und Rengert Elburg durch den Workshop. Die Beiträge waren so breit gefächert und geografisch gestreut, wie das Verbreitungsgebiet der LBK selber: Von deponierten Mahlsteinen in Häuserbefunden aus Frankreich und Belgien bis hin, zu Deponierungen um Siedlungen und Rondels aus der Tchechischen Republik. Der unterhaltsame und interessante Workshop klang am Samstag mit einer ebenfalls unterhaltsamen wie auch anregenden Diskussion – mit Jens Lüning als Discussant – aus.

Das Programm findet ihr hier.

Und wer nochmal ein bisschen nachlesen will:

Luc Amkreutz, Fabian Haack, Daniela Hofmann, Ivo van Wijk [Hrsg.], Something Out of the Ordinary? Interpreting Diversity in the Early Neolithic Linearbandkeramik and Beyond. (Erschienen bei Cambridge Scholars Publishing, ISBN 978-1-4438-8604-8)

– zwar keine Veröffentlichung zum Workshop, aber neuste Forschungsergebnisse zur LBK –

 

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Gruppenfoto der Workshopteilnehmenden (Foto: R. Elburg)

Dem Krieg auf der Spur – Tote im Tollensetal

17. Mai 2016 vfgarch Keine Kommentare

Seit 2009 wird, das 1996 entdeckte bronzezeitliche Schlachtfeld im Tollensetal, mit Föderung der DFG untersucht. Leiter dieses Projekts sind Detlef Jantzen und Thomas Terberger, aber auch zwei Absolventinnen der Vor- und Frühgeschichtlichen Abteilung der Universität Hamburg arbeiten dort mit: Hella Harten-Buga und Melanie Schwinning. Ein erster Vorabbericht ist u.A. in der neuesten Ausgabe der Archäologie in Deutschland erschienen (D. Jantzen/ T. Terberger, Überfall an der Brücke? Das bronzezeitliche Fundareal im Tollensetal. In: AiD 03/2016, 8-13.). Die Studentin Julia Köppe hat über diesen Fundplatz einen Artikel für die Spiegel-Online Redaktion verfasst, der auch hier auf dem Blog veröffentlicht werden kann. Der Artikel stellt die Bewerbung für eine Praktikum bei Spiegel-Online dar und Julia hat die Stelle mit diesem Artikel bekommen! Herzlichen Glückwunsch!

 

 

Archäologie: Dem Krieg auf der Spur

Von Julia Köppe

An einem kleinen Fluss in Mecklenburg-Vorpommern sind bis zu 1200 junge Männer brutal ermordet worden. Da das schon mehr als 3000 Jahre her ist, übernehmen nicht Polizisten, sondern Archäologen die Ermittlungen. Sie glauben, dass sie auf den ältesten Nachweis für kriegerische Auseinandersetzungen in Mitteleuropa gestoßen sind.

Es ist ein warmer Sommertag vor etwa 20 Jahren, Hobby-Archäologe Hans-Dietrich Borgwardt paddelt in einem Schlauchboot die Tollense entlang, die Tollense ist ein kleiner Fluss, der sich friedlich durch die Mecklenburgische Seenplatte schlängelt. Entlang des Ufers erstrecken sich saftige Wiesen, weit und breit gibt es nur einige, kleine Dörfer; die Tollense schlummert friedlich vor sich hin.

Plötzlich sieht Borgwardt einen länglichen, weißen Gegenstand aus der Uferböschung ragen. Als er heran paddelt, bemerkt er, dass es ein Knochen ist. Später stellt sich heraus: Es ist der Oberarmknochen eines Menschen, in dem noch eine Pfeilspitze aus Feuerstein steckt. Dieser Fund ist der erste konkrete Hinweis auf einen brutalen Kampf, bei dem mehrere Hundert Menschen ermordet wurden, denn: bei näheren Untersuchungen ist es nicht bei diesem einen Menschenknochen geblieben, inzwischen sind etwa 11.000 gefunden worden. Der Kampf hat zwar bereits vor mehr als 3000 Jahren stattgefunden, doch was die Archäologen aus der Tollense gefischt haben, zeigt die bekannte Fratze von Gewalt und Mord: eingeschlagene Schädel, geborstene Knochen, Pfeilspitzen, Lanzen und Holzknüppel, die an einen Baseballschläger oder einen Hammer erinnern.

Ein Team aus Archäologen, Anthropologen, Forensikern und Naturwissenschaftlern versucht seit 2009 die Geschehnisse zu rekonstruieren, die Archäologen Dr. Detlef Jantzen und Prof. Dr. Thomas Terberger leiten das Projekt. Inzwischen sind die Forscher sicher, dass es sich bei dem Fundplatz um ein Schlachtfeld der Bronzezeit handelt. Dafür sprechen erstens, dass fast ausschließlich junge Männer und nur wenige Kinder unter den Toten sind. Einige, wenige Knochen könnten von Frauen stammen, sicher ist das allerdings nicht. Zweitens sind die jungen Männer in einem engen Zeitfenster um 1250 v. Chr. zu Tode gekommen. Und drittens: Die gefundenen Waffen passen zu den massiven Verletzungsspuren an den Knochen. „Wegen dieser drei Fakten können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass im Tollensetal der bisher größte bekannte Gruppenkonflikt der Bronzezeit nördlich der Alpen stattgefunden hat“, sagt Archäologin Hella Harten-Buga, die an dem Projekt mitarbeitet.

„Das Besondere an dem Fundort ist, dass die Skelette nicht vollständig sind, die Knochen mehrerer Individuen liegen kreuz und quer. Es ist ein riesiges Durcheinander“, erzählt sie weiter. Inzwischen haben die Archäologen die Überreste von mindestens 120 Menschen gefunden, und sie haben nur einen Bruchteil der Fläche untersucht. Während der Bronzezeit haben bis zu 6000 junge Männer an der Tollense gegeneinander gekämpft, schätzen die Experten.

Wie schwierig die Rekonstruktion der kriegerischen Auseinandersetzung ist, zeigen die Untersuchungen von Harten-Buga und ihrer Kollegin Melanie Schwinning. Beide sind nicht nur Archäologinnen, sondern auch Ingenieurinnen. Monatelang haben sie sich mit nur einem Oberschenkelknochen beschäftigt, der durch extreme Gewalt in zwei Teile gesprengt wurde. „Diese Art der Verletzung kommt heute vor allem bei Stürzen aus großer Höhe oder bei Motorradunfällen vor“, erklärt Harten-Buga. Deswegen haben die Forscherinnen vermutet, dass der Mann zu dem geborstenen Oberschenkelknochen beim Kampf von einem Pferd gefallen sein könnte. Das wäre eine Sensation, denn bisher gibt es noch keine Beweise, dass die Mecklenburger schon vor 3000 Jahren geritten sind.

Die Wissenschaftlerinnen setzen bei ihrer Analysen auf Hightech. „Wir fühlen uns schon manchmal wie bei den US-Krimiserien CSI oder Bones“, schmunzeln sie. Mit Röntgengeräten, hochauflösenden Mikroskopen und Computertomographen sind sie dem Knochen zu Leibe gerückt. Außerdem haben sie einen vergleichbaren, gesunden Knochen virtuell nachgebaut, um am Computer verschiedene Szenarien durchzuspielen. „Die Verletzungen, die bei einem Sturz entstehenden, wollten aber nicht so recht zu unserem Knochen passen“, so Schwinning. Ein Reiter, der bei einem Kampf von seinem Pferd fällt, passt daher nicht ins Bild.

Deshalb forschten die beiden weiter. Sie analysierten Hunderte Röntgenaufnahmen und wurden schließlich fündig. Die Verletzungen des Opfers aus der Vorzeit passen am besten zu modernen Schusswaffenverletzungen. Das brachte sie auf die richtige Spur. Natürlich gab es in der Bronzezeit noch keine Pistolen, aber Lanzen, Schwerter und Pfeilspitzen. „Wir haben unseren, am Computer nachgebauten, gesunden Knochen, virtuell mit mehreren Waffen beschossen und analysiert, welche Verletzungen dabei entstehen“, erklärt Schwinning. Am Ende sind sich Harten-Buga und Schwinning sicher: Der Oberschenkelknochen ist am ehesten durch eine Lanze oder ein Schwert in zwei Hälften gespalten worden. „Mit dieser Verletzung konnte der Mann definitiv nicht mehr gehen. Das war wahrscheinlich sein Todesurteil“, so Harten-Buga.

Die Archäologinnen und der Rest des Teams wollen ihre Arbeit auf jeden Fall fortsetzen. Denn, viele Fragen bleiben noch offen: Was hat die Menschen dazu bewogen, sich massenhaft umzubringen? Wofür hat es sich gelohnt zu sterben? Das Gebiet um die Tollense war vor 3000 Jahren eher sumpfig und schwierig zu durchqueren. Bei den Grabungen sind die Archäologen aber auf eine Wegeführung gestoßen, die einst eine Brücke über die Tollense gewesen sein könnte. Vielleicht war dieser Weg der Zugang zu einem verlockenden, überregionalen Handelsnetz. Dass die Mecklenburger der Bronzezeit weitreichende Kontakte hatten, zeigen auch die Funde aus der Tollense: Mehrere goldene Armspiralen sowie ein Röllchen aus Zinn sind in unmittelbarer Nähe des vermuteten Kampfplatzes gefunden worden. Gold und Zinn mussten über weite Strecken importiert werden.

Hatten es die Angreifer möglicherweise auf diese wertvollen Handelsbeziehungen abgesehen? Noch gibt es nur Vermutungen, woher sie kamen und wie viele Gruppen überhaupt gegeneinander gekämpft haben, DNA-Analysen und Schädel-Untersuchungen sollen neue Erkenntnisse bringen. Eines steht für die Archäologen jedoch bereits fest: Das heute so friedlich wirkende Tollensetal war einst ein Ort des Schreckens, entlang des Flusses sind wahrscheinliche mehrere Hundert Leichen verwest, bevor sie in den Fluss gelangten und im Wasser solange durcheinander gewirbelt wurden, bis sie schließlich kreuz und quer im Schlick steckenblieben.

Die Funde aus dem Tollensetal sind noch bis zum 22. Mai im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale zu sehen. Der Fundort ist aber so einzigartig, dass er ein eigenes Museum verdient hätte. Mecklenburg-Vorpommern würde sich als Standort besonders anbieten, denn dort gibt es bislang noch kein archäologisches Landesmuseum.

 

Update – Laaange nichts passiert

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Die letzten Wochen habe ich nichts gepostet, da ich meine Masterarbeit Anfang Mai abgeben musste und deswegen meine Zeit natürlich für die Arbeit verwendet habe. Dann waren ja auch noch Semesterferien und da ist im Institut nicht ganz so viel los. Aber die Studierenden waren natürlich fleißig auf Grabungen und Exkursionen und ich bin derzeit dabei ein paar Berichte einzusammeln! Es wird in nächster Zeit also wieder mehr passieren!

Kurzexkursion in die Niederlande

13. Februar 2016 vfgarch Keine Kommentare

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Die Exkursionsteilnehmer vor dem Großsteingrab D26 im Hunebedcentrum in Borger (Foto: M. Heinze)

Vom 8. – 11.2.2016 fuhren 13 Studenten und Herr Subbert auf eine Kurzexkursion in die Niederlande. Erster Stopp war das Hunebedcentrum in Borger. In dem Freilichtmuseum wurden Zelte und Häuser des Paläolithikums bis in die Eisenzeit rekonstruiert. Im angeschlossenen Museum wurde anhand des Großsteinsgrabs D26, welches noch neben dem Museumsgebäude steht, Megalithik und die Trichterbecherkultur dargestellt.

 

Am nächsten Tag haben wir die eisenzeitliche Sakrallandschaft in der Nähe von Oss-Zevenbergen mit dem bekannten Fürstengrab erkundet. Der Hauptgrabhügel, welcher die Hauptbestattung enthielt, wurde zur Hälfte neu aufgeschüttet um die Urnen im Inneren abbilden zu können. Die anderen vier Grabhügel, die sich in unmittelbarer Nähe befinden, wurden durch Holzpfosten abgesteckt, sodass die ehemalige Kulturlandschaft zu erkennen ist.

Weiter ging es in Amersfoort, wo uns Henk van der Velde die private Grabungsfirma ArchaeoProjekten und die neuesten Auswertungen des größten trichterbecherzeitlichen Gräberfeldes in Dalfsen vorgestellt hat. Im Gegensatz zu Deutschland, wo größtenteils die Bodendenkmalpflege für die Grabungen verantwortlich ist, übernehmen in den Niederlanden Grabungsfirmen diese Aufgabe.

 

Den Dienstag haben wir dann in Leiden verbracht. Zuerst besuchten wir das Rijksmuseum van Oudheden. Das Querschnittsmuseum beherbergt eine vorgeschichtliche, römische, griechische und ägyptische Abteilung. Leider ist der ägyptische Flügel zur Zeit wegen Umbauarbeiten geschlossen.

Den Nachmittag verbrachten wir dann im Archäologischen Institut der Universität Leiden. Prof. Dr. Harry Fokkens führte uns dort herum und stellte uns die verschiedenen Departements der Uni und ihre Struktur vor. Die Uni Leiden beherbergt verschiedene Departements wie z.B. Archäozoologie, welche gesonderte Seminare anbieten. Im Gespräch teilte Herr Fokkens uns mit, dass die Seminare üblicherweise in 7-wöchigen Blocks stattfinden und größtenteils in Englisch gehalten werden. Wer also mit dem Gedanken spielt ein Auslandssemester einzulegen sollte sich das Angebot auf jeden Fall eimal anschauen (http://www.prospectivestudents.leiden.edu).

 

Vor der Abreise zurück nach Hamburg, hielten wir noch in Firgdum um dort ein rekonstruiertes Sodenhaus des Mittelalters anzuschauen. Das Haus bildet ein Experiment des archäologischen Museums Yeb Hettinga ab und wurde kürzlich erst in einer Monografie veröffentlicht (D. Postma, Het Zuidenhuis van Firdgum: Middeleeuwse boerderijbouw in het Fries kustgebied tussen 400 en 1300 [Groningen 2015]).

Letzter Halt war das Fries Museum in Leeuwarden, welches zur Zeit eine Sonderausstellung zu mittelalterlichen Goldfunden, welche in den Warften rund um die nord-westlichen Niederlande gefunden wurden, zeigt.

Exkursion nach Kiel – Tripolye Ausstellung

04. Februar 2016 vfgarch Keine Kommentare

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Den Dozenten und Studierenden werden Scherben gezeigt

Am 28.1.2016 sind einige Dozenten und Studierende nach Kiel gefahren, um eine kleine Wanderausstellung zur Tripolye-Kultur zu beuchen. Zusätzlich zu den Stellwänden im Foyer der Graduiertenschule in Kiel (Leibnitzstr. 3) bot René Ohlrau eine sachkundige Führung an. Dabei erklärte er die Eckdaten der Tripolye-Kultur, die im Neolithikum in der heutigen Ukraine, Moldavien und benachbarten Gebieten beheimatet war und zeigte kunstvoll bemalte Keramik aus Ausgrabungen und Surveys des Instituts in Kiel. In dem Froschungsprojekt geht es darum, wie diese frühen “Megacitys” entstanden sind und sich behaupten konnten, da es im Vergleich zu dieser Zeit eher kleinere Siedlungsgesmeinschaften in Europa gab. Die Stellwand kann noch bis 14. Februar besichtigt werden.

Weitere Infos und den Bericht gibt es hier: http://www.jna.uni-kiel.de/index.php/jna/article/view/109

Vorstellung der My Story in Objects – Übung

27. Januar 2016 vfgarch Keine Kommentare

Am Dienstag, den 26.1.2016, haben die Studierenden der Übung “My Story in Objects” ihre Geschichten vorgestellt. Ziel der Übung war es archäologische Objekte durch fiktionale Geschichten wissenschaftlich zu vermitteln. Die Präsentation fand im Seminarraum unseres Instituts statt. Nach einer Einführung von unserem Dozenten Julian Subbert, haben Herr Subbert und ich die Geschichte “Interview mit einem Deflorationsstab” vorgestellt. Die anderen Geschichten konnten dann bei Kaffee und Kuchen gelesen werden.

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Die Geschichten wurden auf Plakate gedruckt und befinden sich noch bis Ende nächster Woche im Foyer des ESA W. Wer also Lust hat, kann gerne vorbeikommen und einen Blick darauf werfen. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich und kreativ ausgefallen und reichen thematisch von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Unterstützt wurde die Übung von der Schreibwerkstatt des Fachbereichs Kultur und ein herzlicher Dank gilt Mirjam Schubert für ihre Anregungen und Hilfe.

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Die “Layout- und Feinschliffgruppe” bei der Erstellung und Bearbeitung der Geschichtenplakate

Wer keine Zeit findet im ESA W vorbeizuschauen, kann auch dem unten stehenden Link folgen und sich die Geschichten gemütlich von zu Hause aus durchlesen. Da wir archäologische Objekte zum ersten Mal in dieser Form präsentiert haben, wäre es sehr hilfreich wenn ihr uns Feedback zulassen kommen könntet. Dafür ist unter jeder Geschichte ein Link mit dem Namen “Feedback” vorhanden, der euch zu einem Fragebogen weiterleitet.

My Story in Objects

Ein offener Brief zur aktuellen Zerstörung von Kulturdenkmälern

19. Dezember 2015 vfgarch Keine Kommentare

Als Archäologen leben wir von der Zusammenarbeit und dem Austausch untereinander – auch über unsere jeweilige Disziplin hinaus. Obwohl wir an der Universität Hamburg keinen Schwerpunkt auf der Vorderasiatischen Archäologie mehr haben, sind auch wir von den Geschehnissen betroffen, die in einigen Ländern des Nahen Ostens vor sich gehen. Momentan sind davon besonders die vom IS besetzten Gebiete Syriens und des Iraks betroffen. Durch die mutwillige Zerstörung von Kulturdenkmälern und die damit einhergehende Untergrabung von kulturellen Identitäten, wird auch die Diversität von Lebensmodellen und politischen Strukturen genommen, deren Erforschung durch die archäologische Arbeit ermöglicht wird.

Wir schreiben diesen Brief, weil wir uns hilflos und überfordert fühlen. Wir fühlen uns als Studierende der Archäologie betroffen und möchten unsere Anteilnahme zeigen. Wir haben zunächst gezögert, weil wir befürchteten den Eindruck zu erwecken, mit unserer westlich-eurozentrischen Perspektive die Lösung für die diversen – durch religiösen Extremismus, politische Entscheidungen und gesellschaftliche Entwicklungen entstandenen – Probleme des ‘Ostens’ parat haben zu wollen. Aber es ist nicht unser Ziel, konkrete Lösungen zu finden; dazu sind wir nicht qualifiziert. Wir schreiben diesen Brief, weil wir hoffen das Bewusstsein und das Gefühl der Solidarität unter den Studierenden zu stärken.

Im Laufe der letzten fünf Jahren hat die bewusste Zerstörung von Kulturdenkmälern wieder zugenommen. Es gibt hierbei drei Arten von Schäden, die das kulturelle Erbe angreifen:

  1. Bewaffneter Konflikt zerstört antike Städte und historische Gebäude.
  2. Diebstähle und Pünderungen in Museen.
  3. Illegale Ausgrabungen, durch die ebenfalls archäologische Befunde zerstört und Einzelfunde auf dem Schwarzmarkt verkauft werden.

 

Warum zerstört der IS Kulturgut?

Laut der UNESCO kann die Zerstörung von Kulturgütern als Teil einer Strategie angesehen werden, um die bloße Existenz von anderen (nicht-islamischen) Kulturen zu verneinen und die Geschichte sowie das kulturelle Gedächtnis auszulöschen.

Spätestens mit den Zerstörungen in Hatra, Nimrud, Ninive, Palmyra und dem Museum in Mossul sowie der grausamen Enthauptung von Khaled Asaad ist das brutale und auch bewusst inszenierte Vorgehen des IS nochmal sehr deutlich geworden.

Besonders perfide ist, dass sich der IS auch über den Verkauf von Kulturgütern auf dem Schwarzmarkt zu finanzieren scheint: „Die Plünderung der antiken Stätten nimmt der IS freilich nicht selber in die Hand. Vielmehr vergeben die Extremisten so etwas wie Grabungslizenzen und erheben Steuern“ (taz 18.November 2015 http://www.taz.de/!5248722/).

Für den ‘Islamischen Staat’ (IS) und andere Terrorgruppen gilt der Handel mit dem Raubgut als eine wichtige Einnahmequelle. Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters warnt, dass Deutschland aufpassen müsse, nicht zum Umschlagplatz zu werden (Zitat 19.10.2014: https://www.tagesschau.de/inland/kunsthandel-101.html).

Gut möglich ist ebenfalls, dass gestohlene Artefakte momentan zurückgehalten werden (z.B. in Freilagern), um den Schwarzmarkt nicht zu überfluten und damit ein Preis-Dumping zu erzielen; es ist wohl zu erwarten, dass einige Artefakte erst in wenigen Jahren wieder auftauchen. Die nächsten Jahre wird vor allem der Wiederaufbau der Infrastruktur und das Rückgewinnen des alltäglichen Lebens höchste Priorität haben und nicht das Zurückerlangen von Kulturgütern  oder der Wiederaufbau von prähistorischen Stätten. Aber durch eine internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit könnte eine Hilfestellung geleistet werden. 

Nachdem in Niedersachsen das Verursacherprinzip beim Bau vom Flüchtlings- und Asylbewerberheimen am 11. November 2015 für unbestimmte Zeit ausgesetzt wurde, wird die archäologische Gemeinschaft hierzulande vor die Frage gestellt, wie mit der ganzen Thematik umgegangen werden soll – und die ferne Zerstörung, der Krieg und die damit verbundene Flucht wirken auf einmal sehr nah. Es steht außer Frage, dass die Unterbringung von Flüchtlingen dringend und wesentlich ist. Großprojekte in Form von Notgrabungen könnten zumindest diese Situation entschärfen (http://www.dguf.de/index.php?id=380).

Wir haben uns über Projekte informiert, welche sich dem Thema annehmen und unsere Unterstützung brauchen können:

Des Weiteren haben wir konkrete Vorschläge für uns, als Studierende/Lehrende und Interessierte zusammengetragen:

  • Vorträge über die Situation von kulturellen Denkmälern in Krisengebieten besuchen
  • Vernetzung mit Universitäten, an denen schon Projekte zur Unterstützung der Situation in Syrien und dem Irak bestehen
  • Diskussionsrunden
  • Gezielte Förderung von Studierenden der Archäologie aus den betroffenen Ländern, die in Deutschland Asyl beantragt haben/beantragen
  • Workshop zu Kulturgüterschutz
  • Spendensammlung für gezielte Projekte (z.B. über Shirin; ist auch als Institut möglich)
  • Kleine Themenausstellung im Institut
  • Notgrabungen in Niedersachsen durch die Studierendenschaft

Dezember 2015, 

Studierende der VFG Hamburg

 

Anbei noch einige Links für alle, die sich noch weiter informieren möchten:

Workshop: Connected Elites and Regions in the Early Hallstatt Period (Ha C). Perspectives from the Low Lands to the Circumalpine Region

16. Dezember 2015 vfgarch Keine Kommentare

von Robert Schumann:

Am 19 und 20 November fand an der Universität Leiden ein internationaler Workshop unter dem Titel „Connected Elites and Regions in the Early Hallstatt Period (Ha C). Perspectives from the Low Lands to the Circumalpine Region“ statt, der von der Fakultät für Archäologie der Universität Leiden und dem Archäologischen Institut der Universität Hamburg organisiert wurde (Robert Schumann, Sasja van der Vaart-Verschoof). Die Durchführung des Workshops wurde ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Fakultät für Archäologie der Universität Leiden, der NWO (Netherlands Organisation for Scientific Research) und der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung.

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Programm des Workshops

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Ziel des Workshops war es, die Diskussion um die ältere Hallstattzeit zu reintensivieren, die im Vergleich zur jüngeren Hallstattzeit mit den bekannten Fürstensitzen und -gräbern in der großräumigen Forschung eine deutlich marginalere Rolle einnimmt. Dabei geben aber Befunde aus weiten Teilen Europas auch für das 8. und das 7. Jahrhundert zahlreiche Hinweise auf soziale Differenzierung und großräumige Kontakte während der älteren Hallstattzeit (Ha C). Ausgangspunkt des Workshops waren die Gemeinsamkeiten zwischen den Prunkgräbern in den Niederlanden und Belgien und jenen aus dem Bereich der Hallstattkultur, die entsprechende großräumige Kommunikationsnetzwerke andeuten. Diese zeigen sich sowohl in den Funden selber als auch in den Bestattungsritualen, die neben den lokaltypischen Ausdrucksformen auch Hinweise auf gemeinsame Ideologien dieser Personengruppen liefern.
In den zwei Tagen konnten in 22 Vorträgen und zahlreichen Diskussionen verschiedenste mit dem Rahmenthema zusammenhängende Komplexe diskutiert werden, so dass wir glauben, einen wichtigen Schritt zu einem besseren Verständnis der älteren Hallstattzeit auf einem europäischen Level gegangen zu sein. Diskutiert wurden dabei mit Teilnehmern aus insgesamt neun Nationen unterschiedlichste großräumige Verknüpfungen, regionale Entwicklungen, verschiedene rituelle Zusammenhänge, Aspekte sozialer Differenzierung und vieles mehr.
Eine auf dem Workshop aufbauende Publikation ist in Vorbereitung und soll 2017 erscheinen.

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Begrüßung durch die Organisatoren Sasja van der Vaart-Verschoof und Robert Schumann

 

Geomagnetische Prospektion im Landkreis Harburg

24. November 2015 vfgarch Keine Kommentare

von Thomas Hepfer und Florian Kühle:

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F. Kühle bei der Arbeit mit dem 5-Sonden-Gerät.

Im vergangenen Sommer fand in der Zeit vom 24.08. – 04.09.15 eine geomagnetische Prospektion nahe dem Ort Klecken im Landkreis Harburg statt, welche als Teil des Masterprojektes von T. Hepfer und F. Kühle durchgeführt und von Prof. Dr. Frank Nikulka (Universität Hamburg) sowie Dr. Jochen Brand (Kreisarchäologe Landkreis Harburg) betreut wurde. Tatkräftige Unterstützung bei den Prospektionsarbeiten lieferte außerdem T. Rensing.

Insgesamt wurde in den zwei Wochen mit Hilfe des 5-Sonden-Gerätes zur geomagnetischen Prospektion der Universität bei wechselhaftem Wetter eine Fläche von etwa 8 ha prospektiert. Ziel war es, die festgelegte Fläche auf dort vermutete Siedlungsstrukturen hin zu untersuchen, ohne dass durch Grabungsarbeiten in den Boden eingegriffen werden musste. Daneben sollte jedoch auch die Methode an sich einem Test unterzogen werden, da auf einer benachbarten Fläche bereits einige Jahre zuvor mit einem anderen Gerät geomagnetische Prospektionen durchgeführt wurden, ohne dass damals jedoch wirklich aussagekräftige Bilder entstanden sind.

Besonderes Interesse kommt der untersuchten Fläche aufgrund einer Vielzahl an Siedlungsbefunden der vorrömischen Eisenzeit und Römischen Kaiserzeit zu, welche bei diversen Ausgrabungen im direkten Umfeld der Fläche dokumentiert werden konnten und durch einige Lesefunde gleicher Zeitstellung ergänzt werden. Dadurch liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei der heutigen Ackerfläche vor ca. 2000 Jahren um eine größere Siedlungsfläche gehandelt habe.

Die Auswertung der geomagnetischen Bilder ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Jedoch konnten bereits mehrere verdächtige Strukturen auf den erstellten Plänen entdeckt werden. Diese werden nun einer genaueren Analyse unterzogen und können weitere Puzzlestücke bei der Rekonstruktion der vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung vor Ort liefern.

Die Keramik des jungneolitischen Siedlungsplatzes bei Maintal-Hochstadt

21. November 2015 vfgarch Keine Kommentare

von Thorsten Becker:

Im Rahmen meiner Masterarbeit untersuche ich die Keramikfunde eines michelsbergzeitlichen (4400 – 3500 v. Chr.) Siedlungsplatzes bei Maintal-Hochstadt. Der Fundplatz, Flur „Bornesselwäldchen“, der unmittelbar südlich der A66 zwischen Frankfurt am Main und Hanau in einem Naherholungsgebiet im Bereich der Mainaue gelegen ist, zeichnet sich durch großflächige und komplexe Grubenstrukturen, sowie einen starken Fundreichtum aus. Das Areal ist bereits 2002 durch Lesefunde bekannt geworden und ab 2006 durch die Goethe-Universität Frankfurt geomagnetisch untersucht worden. In insgesamt vier Sommer-Kampagnen der Universität Hamburg von 2011 bis 2014 sind ausgewählte Bereich der im geomagnetischen Messbild deutlich sichtbaren Anomalien archäologisch ergraben worden. In dem jungneolithischen Fundgut des Platzes finden sich neben großen Mengen keramischer Gefäßreste unterschiedlichster Machart und gleichermaßen vielen wie diversen Fragmenten Brandlehms mit konstruktionsspezifischen Abdrücken, auch Steinbeilklingen, Flintartefakte, kleinteilig erhaltenes Tierknochenmaterial, sowie feine Reste von Holzkohle.

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Das Geomagnetik-Bild der Ausgrabungsflächen [Foto: B. Ramminger]

Um die vorläufige Datierung des Fundplatzes anhand der typologischen Merkmale der Keramik einzugrenzen, nehme ich das Fundmaterial für eine statistische Auswertung nach Gefäßeinheiten auf. Hierbei setze ich auf eine Detailaufnahme von technologischen und typologischen Merkmalen bei aussagekräftigen Scherben, sowie auf eine metrisch-numerische Aufnahme des Gesamtmaterials zur Bestimmung der Mindestindividuenzahl der Gefäße. Neben der Vorlage des keramischen Materials und Herausarbeitung von Sonderfunden, möchte ich so versuchen mit Hilfe der Erstellung von Verteilungskartierungen des Scherbenmaterials und unter Berücksichtigung des nicht-keramischen Fundmaterials, soweit vorliegend und ausgewertet, eine Einordnung der Gefäße in den Befundkontext zu erreichen, um Erkenntnisse zu den Verfüllungsprozessen der Siedlungsgruben herzuleiten. Abschließend soll die Kontextualisierung und Einordnung des michelsbergzeitlichen Grubenkomplexes mit Hilfe regionaler Vergleichsbefunde auch einen Ausblick auf dessen Bedeutung im regionalen Kontext der jungneolithischen Michelsberger Kultur Süd- und Mittelhessens wagen.

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Auswahl der michelsbergzeitlichen Keramik aus Hochstadt [Foto: B. Ramminger]

Ich habe nach einer anfänglichen Sichtung und Vorsortierung des Materials nun auch den Schritt der Erstellung der Gefäßeinheiten abgeschlossen und nehme diese derzeit merkmalsorientiert am Computer auf. Ich hoffe bis Ende Dezember den Katalog verschriftlicht zu haben, sodass die Masterarbeit im ersten Quartal 2016 fertiggestellt werden kann.

 

Das Neue Museum und das Deutsche Historische Museum Berlin

18. November 2015 vfgarch Keine Kommentare

Am Sonntag den 15.11.2015 sind mehrere Studierende nach Berlin gefahren um dort die Museen “Neues Museum Berlin” und “Deutsches Historisches Museum Berlin” zu besuchen. Der größte Teil der Mitfahrenden waren Studenten der Übung “My Story in Objects: Geschichte in Objekten”, die sich die ausgestellten Objekte und ihre Eingebundenheit in die Ausstellungen anschauten. Also in wie weit die Objekte Teil der Erzählung der Ausstellung waren.

Beide Museen sind auf jeden Fall einen (weiteren) Besuch wert. Jedoch beurteilte die Gruppe die Gesamtdarstellung im Deutschen Historischen Museum als besser, da dort jedes Objekt gesondert einen kurzen Text bekommen hat und damit besser in das Gesamtkonzept eingegliedert wurde. Ein Highlight war für die Studierenden die Darstellung des Tollensetals in der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung des Neuen Museums.

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Die Teilnehmenden der My Story in Objects Übung schreiben derzeit an eigenen Geschichten zu vor- und frühgeschichtlichen Artefakten. Diese sollen Ende der Vorlesungszeit in einer netten Abendveranstaltung vorgestellt werden. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben, aber ihr könnt euch ja schonmal darauf vorbereiten!

Freilichtmuseen – Wieviel Information kann man den Besuchern zumuten?!

26. Oktober 2015 vfgarch Keine Kommentare

Wie bereits angekündigt, wollte ich an dieser Stelle mal eine Diskussion ins Leben rufen, die sich um die Präsentation von Freilichtmuseen dreht. Auf der Exkursion vor knapp einem Monat, haben wir zwei Freilichtmuseen besucht, deren Transparenz und Informationsgehalt weit auseinanderliegen. Das erste Museum ist das neueröffnete Freilichtlabor in Lorsch, welches ganz offen mit den Problemen der Rekonstruktion umgeht und auch klar benennt, welche Häuser wie und warum in dieser Art aufgebaut wurden. Das zweite ist das Freilichtmuseum Unteruhldingen, welches bedingt durch die lange Geschichte des Museums, viele veraltete Rekonstruktionen zeigt. Beide Museen haben gemein, dass dort die Bsucher bewusst geführt werden und nicht alleine durch die Rekonstruktionen laufen.

Ich muss jedoch leider zuerst Kritik am Pfahlbaumuseum Unteruhldignen üben: Die Führung begann für uns mit einem Vortrag, was das Museum alles anbietet – von Kindergeburtstagen bis hin zur Mithilfe einer regionalen Wanderausstellung. Danach wird man durch drei vollautomatische Räume geschleußt, in denen der Informationsgehalt bei null liegt. Um dann durch ein sich öffnendes Tor das Pfahlbaudorf zum allerersten Mal zu erblicken. Zugegeben der Anblick ist schon beeindruckend, aber die drei Räume davor sind in keiner Weise von Nutzen. Sie zeigen zwar, dass die Befunde dieser Pfahlbauten unter Wasser ergraben wurden, die Technik und die Archäologie dahinter werden aber nicht erwähnt. Mein zweiter Kritikpunkt liegt in der Präsentation der veralteten Pfahlbauten. An keiner Stelle dieses Museums wird darauf aufmerksam gemacht, welche Forschungsgeschichte das Museum erlebt hat. Immerhin wurde es von Hans Reinerth – einem Mitglied der NSDAP – nach Ende des zweiten Weltkriegs geleitet und hieß damals “Freilichtmuseum deutscher Vorzeit”. Lange Zeit stellte es noch ein sehr konservatives Bild der Vorzeit dar. Viele dieser Gebäude sind eben auch noch heute im Museum zu sehen. Und an einigen Stellen wird ein  falsches Bild der Lebensweise in diesen Pfahlbauten vermittelt. Beispielsweise sind in einem der Pfahlbauten Stallungen mit Tieren angelegt worden, obwohl die Tiere nicht mit in diesen Häusern untergebracht waren. Auch hier gibt es keine weiteren Erklärungen dazu. Auf Nachfrage unsererseits wurde uns die grandiose Antwort gegeben, man könne die Besucher ja auch nicht überfordern. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mir dann die Frage gestellt, warum dieses Museum überhaupt betrieben wird, wenn die Besucher eigentlich auch nichts lernen sollen…

Eine ganz andere Situation stellte sich uns im Freilichtlabor vor. Von Anfang an, wurde uns hier bewusst gemacht, dass es Annäherungen an die damalige Lebens- und Wohnsituation ist, die eben durch heutige Wissenschaftler so interpretiert wurden. Während der Führung wurde uns auch immer wieder nahegelegt gerne zur Diskussion eben dieser Problematik beizutragen und auch gerne ein Feedback zu hinterlassen. Hier wurde im Gegensatz zu Unteruhldingen ganz offen mit noch offenen Fragen und möglichen Fehlentscheidungen umgegangen, weil diese bei Rekonstruktionen nicht unumgänglich sind.

Natürlich hat das Museum in Lorsch ganz andere Vorraussetzungen gehabt, da das Museum komplett neu konzipiert worden ist, und keine “Altlasten” wie in Unteruhldingen vorhanden sind. Dennoch finde ich es schockierend wie ein Museum – das ganz klar auch eine Pflicht zur Wissensvermittlung hat – “schlechte” und veraltete Rekonstruktionen einfach nicht als diese benennt und auch nicht darauf aufmerksam macht. In meinen Augen hat das Pfahlbaumuseum sogar eine großartige Chance Forschungseschichte darzustellen und dadruch zu zeigen was Archäologie tatsächlich bedeutet. Auf jeden Fall müssen hier, meiner Meinung nach, wenigstens Infotafeln dort aufgestellt werden, wo falsche Bilder vermittelt werden. So können wenigstens Besucher, die nicht überfordert sind, sich ordentlich und richtig informieren.

Mich würde auch interessieren, wie ihr das so seht: Wieviel Informationen sollte ein Freilichtmuseum bereitstellen bzw. inwieweit muss auf schwierige Rekonstruktionen und Rekonstruktionsmaßnahmen aufmerksam gemacht werden? Habt ihr ähnliche oder andere Erfahrungen?

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